Jirka Pfahl SNU Die Ausstellung von Jirka Pfahl betitelt er mit „SNU“. SNU steht für den Rest des Anagramms SUN/UNS/SNU. Es soll bewusst als Übriggebliebenes dastehen, als Container, wie er sagt, seiner Sprachspiele und Assoziationswelten, innerhalb derer sich Pfahl bewegt. Die Bedeutung von SNU soll „eine Leere produzieren“, die beim Betrachten Assoziationen freisetzen: es kann ein Firmenname sein, eine Abkürzung für eine Institution oder ähnliches. Gleich zu Beginn hängt das Bild „House of the rising SNU“. Der von einem Reggaesong entliehene Text wird gebrochen. Aus sun wird SNU. Man betritt die Ausstellung, vielleicht auch das Ausstellungshaus des Künstlers. Mit Wortspielen geht es weiter. In „O.T.“ lesen wir: „damit kenn’ ich mich aus/so was habe ich schon mal erlebt/behaupten“. Eine an Flugmodelle erinnernde Konstruktion rotiert die Sätze und Wörter. Betrachtend beginnt man diese auf ein Neues miteinander zu verknüpfen. Die Glasskulptur „Words“ greift das Verfahren mit Wörtern spielerisch, in dem Falle fast zerstörerisch, erneut auf. Der Turm der SPEE Kartons, „Not Mike Bidlo“, verweist auf eine Arbeit Mike Bidlo, die dieser im Bezug auf die Brilloboxen von Andy Warhol entwickelte, indem er Originalkisten, und nicht mit bedruckten Brilloboxen auf Warhol zurückgreift. Diese Arbeit Pfahls eröffnet neben den Sprachspielen einen weiteren Werkkomplex, die sich mit Figuren, ja Ikonen der Kunstgeschichte beschäftigen. Die SPEE Kartons sind einerseits kunsthistorischer Verweis. Andererseits behandeln sie das Problem ökonomischer Systeme, denen sich das Ostdeutsche Unternehmen nach der Wende unterordnen musste. SPEE gehört Henkel, dem Westdeutschen Riesen, und fungiert hier nur noch als Marken- und Identifikationslabel ostdeutscher Traditionen. Zu diesem Werkzyklus reiht sich noch die Arbeit „Step“, ein Readymade für die häusliche Fitness. Hier wird sie zur Skulptur, zur Museumsbank und zur erhöhten Plattform im Betrachten von Kunst – bei gleichzeitigem Verweis auf eine weltweit einflussreiche sowie Identitätsstiftende Marke REEBOK. „possible works #1 after Joseph Kosuth“ greift auf Kosuths Definitionstafeln zurück. Pfahl greift hier den Begriff des Epigonen, des Nachkommen, auch als Künstler, auf. Auch die Arbeit „Liza radiert“ ruft den Bezug zu Andy Warhol sofort wach. In „Das Subjekt“ stehen wir vor einer Wand, die die Dimensionen einer tragenden Einbauwand eines Plattenbaus aufgreift. Sie dient als Träger für den Satz: „Angst vorm Staat/habe ich immer/kurz vorm System“. Mit der Angst lässt Pfahl die Angst anklingen, die ihn umtreibt, sich im System zu behaupten. Diese, so sagt er, stellt sich erst dar, wenn man die Grenzen der Gesellschaft überschreitet. Assoziieren kann man den Staat als System, jedoch auch das innere System des Menschen auf der anderen Seite. Eine weitere Arbeit, die sich mit dem Außen und Innen beschäftigt, ist die Arbeit „vivace“. Ein Paravent bestehend aus Papier- faltungen gewährt nur teilweise einen Ausblick auf den Park. Die Oberflächen erinnern an modernistische Kaufhausfassaden der 1960er Jahre. Hier versperren sie den Blick nach außen und werfen den Betrachter/die Betrachterin erneut auf sich und die Ausstellung zurück. Der Methode nach arbeitet Pfahl im Rahmen der Konzeptkunst. Sein Konzept folgt der zufälligen Aufnahme von Dingen, die er dann in institutionskritischer, konzeptualistischer Tradition in Sprachspiele, Kipp- und Vexierbilder überträgt. Pfahl kopiert, zitiert, modifiziert. Er spielt mit der Kunstgeschichte, den Ikonen, dem Material. Seine Ideen sind vielfältig. In SNU sind die Betrachter- Innen aufgefordert, ihren Assoziationen freien Lauf zu lassen, eigene Fäden zu spinnen. Das, was der Künstler innerhalb einer Arbeit an Erzählung aufmacht, ließe sich auch auf das Verknüpfen der gesammelten Arbeiten in SNU anwenden. Anlässlich der Ausstellung SNU erscheint eine Publikation im Lubok Verlag, Reihe 24 copies, mit einem Text von Daniela Stöppel.